Definition
Viniyoga bezeichnet einen Yoga-Ansatz, der die Praxis konsequent an den einzelnen Menschen anpasst – an Konstitution, Lebensphase, Gesundheitszustand und persönliche Ziele. Im Zentrum steht nicht die „richtige" Form einer Übung, sondern ihre sinnvolle Anwendung für diese Person in dieser Situation.
Hintergrund
Der Begriff stammt aus dem Yoga-Sūtra des Patañjali (Sūtra III.6) und bedeutet wörtlich „Anwendung" oder „angemessener Einsatz". T. Krishnamacharya (1888–1989) prägte diesen Gedanken als methodisches Prinzip: Yoga solle dem Menschen dienen, nicht umgekehrt.
Sein Sohn T. K. V. Desikachar führte die Arbeit fort und machte den Ansatz international bekannt. Das Buch The Heart of Yoga (1995) gilt als Standardwerk und beschreibt die Logik einer persönlichen Praxis: Ziel klären, Mittel wählen, Dosis anpassen, Wirkung beobachten.
Bedeutung für die Praxis
Für Yoga-Lehrende bedeutet Viniyoga: Du unterrichtest nicht Übungen, sondern Menschen. Die Sequenz, der Atem, die Intensität – alles richtet sich nach dem, was die übende Person gerade braucht und leisten kann.
Typische Merkmale einer viniyoga-orientierten Praxis:
- Der Atem führt die Bewegung (nicht umgekehrt)
- Übungen werden dynamisch wiederholt, bevor sie gehalten werden
- Die Praxis ist kompakt genug, um im Alltag wiederholbar zu sein
- Wirkung zeigt sich über Zeit, nicht über Leistung
Literatur
- Krishnamacharya 1934 – Eines der frühesten Werke Krishnamacharyas; dokumentiert die Grundlagen des dynamischen, atemgeführten Yoga-Stils.
- Desikachar 1995 – Grundlegende Quelle zur Logik persönlicher Praxis (Ziel-Mittel-Dosierung-Feedback); zentral als methodischer Rahmen für Individualisierung.