Definition
Sādhana Pāda ist das zweite Kapitel der Yoga Sūtras des Patañjali. Es beschreibt den praktischen Übungsweg des Yoga und zeigt, wie geistige Klarheit durch systematische Praxis entwickelt werden kann.
Hintergrund
Der Begriff sādhana bedeutet „Übung", „Mittel" oder „Weg". Sādhana Pāda umfasst 55 Sūtras und bildet die Brücke zwischen der grundsätzlichen Zielbeschreibung im Samādhi Pāda und der vertieften Darstellung meditativer Zustände in den folgenden Kapiteln.
Im Zentrum dieses Kapitels steht der konkrete Weg des Übens. Patañjali beschreibt zunächst Kriyā Yoga – bestehend aus tapas (engagierte Übung), svādhyāya (Selbststudium) und īśvara-praṇidhāna (Ausrichtung). Anschließend entfaltet er den achtgliedrigen Yogaweg (Aṣṭāṅga Yoga) mit Yama, Niyama, Āsana, Prāṇāyāma, Pratyāhāra, Dhāraṇā, Dhyāna und Samādhi.
Darüber hinaus behandelt Sādhana Pāda zentrale Themen wie die Ursachen von Leiden (kleśa), die Rolle von Unwissenheit (avidyā) sowie das Verhältnis von Handlung und Wirkung (karma).
Bedeutung für die Praxis
Sādhana Pāda ist das praxisnächste Kapitel der Yoga Sūtras. Es zeigt, dass Yoga kein abstraktes Ideal ist, sondern ein konkreter Übungsweg, der im Alltag verankert werden muss.
Für moderne Yogatraditionen – insbesondere innerhalb der Krishnamacharya-Linie – bietet dieses Kapitel eine strukturierende Landkarte: Ethik, Körperpraxis, Atemarbeit und geistige Schulung werden als zusammenhängendes System verstanden. Keine Praxisform steht für sich allein.
Sādhana Pāda macht zudem deutlich, dass Fortschritt im Yoga nicht an außergewöhnlichen Erfahrungen gemessen wird, sondern an der schrittweisen Reduktion von Leid, Reaktivität und Unklarheit. Übung wird als langfristiger Prozess verstanden, der Anpassung, Geduld und Unterscheidungsvermögen erfordert.
Literatur
- Desikachar 1995 – Praxisnahe Übertragung der im Sādhana Pāda beschriebenen Prinzipien auf individuelle Yogapraxis.
- Bryant 2009 – Detaillierte Kommentierung des zweiten Kapitels mit Fokus auf Kriyā Yoga und Aṣṭāṅga Yoga.
- Feuerstein 2001 – Ordnet Sādhana Pāda historisch ein und vergleicht es mit späteren Yogatraditionen.