Definition
Laṅghana bezeichnet im Yoga ein reduzierendes, entlastendes Übungsprinzip. Es zielt darauf ab, Überforderung zu vermeiden, Regeneration zu unterstützen und den Organismus zu beruhigen.
Hintergrund
Der Sanskrit-Begriff laṅghana bedeutet „vermindern", „entlasten" oder „leichter machen". In der traditionellen indischen Heilkunde sowie in der Yoga-Therapie wird er als Gegenpol zu bṛṃhaṇa verstanden, einem aufbauenden oder kräftigenden Prinzip.
In der Krishnamacharya-Tradition gilt Laṅghana als ein grundlegendes Differenzierungsprinzip in der Praxisgestaltung. Übungen, Atemführung und Intensität werden so gewählt, dass sie Spannungen reduzieren und regulierende Prozesse unterstützen. Dabei steht nicht Leistungssteigerung im Vordergrund, sondern funktionale Angemessenheit.
Desikachar (1995) beschreibt diesen Ansatz als konsequente Anpassung der Praxis an Zustand und Ziel der übenden Person.
Bedeutung für die Praxis
Laṅghana kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn Belastung, Erschöpfung oder innere Unruhe dominieren. Die Praxis ist in solchen Fällen:
- ruhiger und rhythmischer
- weniger intensiv oder statisch
- stärker atemgeführt
- klar strukturiert und überschaubar
Im Atem kann Laṅghana durch verlängerte Ausatmung oder sanfte Rhythmisierung unterstützt werden. In Āsana durch reduzierte Wiederholungszahlen oder entlastende Positionen. Entscheidend ist die Wirkung auf citta: Beruhigung, Klarheit und ein Gefühl von innerer Stabilität.
Gerade in gesundheitsbezogenen Kontexten, etwa bei chronischer Erschöpfung oder onkologischer Belastung, wird Laṅghana als ressourcenorientiertes Prinzip verstanden. Ziel ist nicht Kräftigung um jeden Preis, sondern angemessene Regulation.
Laṅghana zeigt exemplarisch, dass Yoga-Therapie weniger durch Technik als durch differenzierte Einschätzung und Anpassung geprägt ist.
Literatur
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Desikachar (1995). The Heart of Yoga: Developing a Personal Practice. Inner Traditions. Relevanz: Beschreibt die Anpassung von Intensität und Zielorientierung als zentrales Prinzip individueller Praxis.
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Mohan & Mohan (2017). Yoga Therapy. Shambhala. Relevanz: Systematische Darstellung differenzierter Praxisprinzipien, einschließlich reduzierender und aufbauender Ansätze.
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Tiwari (2005). Yoga Therapy. Kaivalyadhama. Relevanz: Ordnet Laṅghana im Kontext traditioneller gesundheitsbezogener Yoga-Anwendungen ein.
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Feuerstein (2003). The Deeper Dimension of Yoga. Shambhala. Relevanz: Philosophische Kontextualisierung yogischer Prinzipien jenseits rein körperlicher Praxis.