Definition
Krama bezeichnet im Yoga ein schrittweises, logisch aufgebautes Vorgehen. Es beschreibt die bewusste Abfolge von Übungen oder Maßnahmen, die sich sinnvoll aufeinander beziehen und in ihrer Wirkung aufeinander aufbauen.
Hintergrund
Der Sanskrit-Begriff krama bedeutet „Schritt", „Reihenfolge" oder „Abfolge". In yogischen Kontexten verweist er auf die Einsicht, dass Veränderung nicht abrupt, sondern graduell geschieht.
In der Krishnamacharya-Tradition wurde Krama zu einem methodischen Grundprinzip: Praxis wird nicht als Sammlung einzelner Techniken verstanden, sondern als strukturierter Prozess. Die Abfolge von Āsana, Atemlenkung und Meditation orientiert sich an Ziel, Zustand und Entwicklung der übenden Person.
Desikachar (1995) beschreibt dieses Vorgehen als logische Sequenzierung, bei der jede Phase auf die nächste vorbereitet. Auch in therapeutischen Zusammenhängen wird Krama als zentrales Steuerungsprinzip angesehen (Mohan & Mohan, 2017).
Bedeutung für die Praxis
Krama wirkt auf mehreren Ebenen:
- Sequenzierung: Übungen werden in einer sinnvollen Reihenfolge angeordnet.
- Progression: Intensität und Komplexität entwickeln sich schrittweise.
- Anpassung: Veränderungen erfolgen dosiert und beobachtend.
- Integration: Einzelne Elemente stehen nicht isoliert, sondern im Gesamtzusammenhang.
Gerade im Kontext von Yoga-Therapie oder bei gesundheitlichen Belastungen ist Krama entscheidend. Ein zu schneller Aufbau kann überfordern; ein zu statisches Vorgehen kann stagnieren. Krama ermöglicht eine Balance zwischen Stabilisierung (Laṅghana) und Aufbau (Bṛṃhaṇa).
Krama erinnert daran, dass Yoga ein Prozess ist – kein punktuelles Ereignis. Wirkung entsteht durch angemessene Abfolge, Wiederholung und bewusste Anpassung.
Literatur
-
Desikachar (1995). The Heart of Yoga: Developing a Personal Practice. Inner Traditions. Relevanz: Beschreibt schrittweisen Aufbau und Zielorientierung als Kern individueller Praxisgestaltung.
-
Mohan & Mohan (2017). Yoga Therapy. Shambhala. Relevanz: Systematische Darstellung therapeutischer Sequenzierung und Progression.
-
Feuerstein (2001). The Yoga Tradition. Hohm Press. Relevanz: Historische Kontextualisierung methodischer Prinzipien im klassischen Yoga.
-
Mallinson & Singleton (2017). Roots of Yoga. Penguin Classics. Relevanz: Einordnung yogischer Praxisstrukturen im historischen Kontext.