Glossar

Bandha

Bandha bezeichnet im Yoga eine innere Halte- und Lenkungsqualität, die Atem, Prāṇa und Aufmerksamkeit integriert. Es ist kein isolierter Muskelakt, sondern ein funktionales Wirkprinzip.

Definition

Bandha bezeichnet im Yoga eine innere Halte- und Lenkungsqualität, durch die Atem, Prāṇa und Aufmerksamkeit koordiniert werden. Es handelt sich nicht um eine isolierte Muskelanspannung, sondern um ein funktionales Prinzip der Stabilisierung und Sammlung.

Hintergrund

Der Sanskrit-Begriff bandha bedeutet „Binden", „Halten" oder „Verschließen". In klassischen Haṭha-Yoga-Texten werden Bandhas als innere „Verschlüsse" beschrieben, die den Fluss von Prāṇa ordnen und bündeln sollen.

Während die Haṭha Yoga Pradīpikā Bandhas explizit benennt und beschreibt, erscheinen sie in den Yoga Sūtras des Patañjali nicht als Technik, sondern implizit als Wirkzusammenhang: Atemregulation (Prāṇāyāma), Atemruhe (Kumbhaka) und geistige Sammlung wirken zusammen, ohne dass einzelne körperliche Aktionen isoliert werden.

Aus funktionaler Sicht entstehen Bandhas aus dem Zusammenspiel von Atemführung, Aufrichtung, innerer Aufmerksamkeit und Haltung (Bhāvana).

Bedeutung für die Praxis

In der modernen Praxis werden Bandhas häufig auf spezifische Muskelaktionen reduziert. Dieses Verständnis greift aus yogischer Sicht zu kurz. Entscheidend ist nicht wo angespannt wird, sondern wie sich innere Stabilität und Sammlung einstellen.

In der Krishnamacharya-Tradition und im Viniyoga werden Bandhas nicht forciert oder isoliert geübt. Sie entstehen idealerweise als Resultat einer stimmigen Praxis: ausgewogener Atem, klare Ausrichtung und angemessene Dosierung.

Bandhas können:

  • Atem und Atemruhe stabilisieren
  • die Wirkung von Kumbhaka integrieren
  • die Dynamik von citta-vṛtti reduzieren
  • meditative Sammlung unterstützen

Auch in der Meditation können bandha-ähnliche Qualitäten auftreten, etwa als Gefühl innerer Zentrierung oder Aufrichtung. Diese Phänomene werden nicht angestrebt, sondern wahrgenommen und eingeordnet – im Sinne von Viveka.

Bandha steht damit exemplarisch für einen yogischen Ansatz, bei dem Wirkung wichtiger ist als Technik.

Literatur

  • Svātmārāma. Haṭha Yoga Pradīpikā. Verschiedene Ausgaben.
    Relevanz: Klassische Quelle zur Einführung des Bandha-Begriffs und seiner Rolle im Haṭha Yoga.

  • Mallinson & Singleton 2017 – Historische Einordnung von Bandhas zwischen klassischen Texten und moderner Praxis.

  • Mohan & Mohan 2017 – Funktionale, sicherheitsorientierte Einordnung von Bandhas im Zusammenspiel von Atem und Haltung.

  • Kuvalayananda 1931 – Frühe wissenschaftlich orientierte Betrachtung von Atem- und Halteprozessen im Yoga.

  • Desikachar 1995 – Implizite Darstellung von Bandha als Ergebnis ausgewogener Praxis, nicht als isolierte Technik.