Glossar

Yama

Yama bezeichnet im Yoga die ethische Ausrichtung im Umgang mit anderen. Es bildet das erste Glied des achtgliedrigen Yogawegs nach Patañjali.

Definition

Yama bezeichnet im Yoga die ethische Ausrichtung des eigenen Handelns im Umgang mit anderen. Es bildet das erste Glied des achtgliedrigen Yogawegs (Aṣṭāṅga Yoga) nach Patañjali und beschreibt grundlegende Prinzipien zwischenmenschlicher Verantwortung.

Hintergrund

Der Begriff yama bedeutet „Zügelung" oder „Regulation". In den Yoga Sūtras des Patañjali (Sūtra II.30) werden fünf Yamas benannt:

  1. Ahiṃsā – Nicht-Verletzen, Gewaltlosigkeit
  2. Satya – Wahrhaftigkeit
  3. Asteya – Nicht-Stehlen
  4. Brahmacarya – maßvoller Umgang mit Energie
  5. Aparigraha – Nicht-Anhaften, Nicht-Horten

Patañjali beschreibt Yama als mahāvrata – als „großes Gelübde", das unabhängig von Zeit, Ort oder Lebensumständen Gültigkeit hat. Damit wird Yama nicht als kulturelle Regel, sondern als universelle Orientierung verstanden.

Bedeutung für die Praxis

Yama bildet die ethische Grundlage jeder Yogapraxis. Es geht dabei nicht um moralische Perfektion, sondern um bewusste Ausrichtung und fortlaufende Reflexion des eigenen Handelns.

In der Praxis moderner Yogatraditionen – insbesondere in der Krishnamacharya-Linie – werden die Yamas nicht als starre Gebote vermittelt, sondern als Haltungen, die innere Stabilität und geistige Klarheit unterstützen. Sie schaffen den Rahmen, in dem körperliche und meditative Praxis überhaupt tragfähig werden.

Für Yoga-Lehrende bedeutet Yama auch Verantwortung im Unterricht: im Umgang mit Macht, Sprache, Berührung und Erwartungshaltungen. Für Übende kann die Auseinandersetzung mit Yama eine Brücke zwischen Yogapraxis und Alltag schlagen.

Literatur

  • Desikachar 1995 – Zeitgemäße, praxisnahe Einordnung der Yamas als innere Haltung statt moralischer Vorschrift.
  • Bryant 2009 – Ausführliche Kommentierung der Yamas im philosophischen Kontext.