Glossar

Vinyāsa Krama

Vinyāsa Krama bezeichnet die schrittweise, sinnvoll aufgebaute Abfolge von Bewegungen und Haltungen im Yoga. Entscheidend ist die innere Logik der Sequenz, nicht die einzelne Form.

Definition

Vinyāsa Krama bezeichnet ein zentrales methodisches Prinzip im Yoga: die schrittweise, sinnvoll aufgebaute Abfolge von Bewegungen und Haltungen. Jede Übung ist Teil einer inneren Logik, die Vorbereitung, Hauptwirkung und Ausgleich miteinander verbindet.

Hintergrund

Der Sanskrit-Begriff krama bedeutet „Schritt", „Abfolge" oder „Reihenfolge". In Verbindung mit vinyāsa – dem bewussten Platzieren von Bewegung, Atem und Aufmerksamkeit – beschreibt Vinyāsa Krama die Kunst, Yoga nicht als Aneinanderreihung von Übungen, sondern als kohärenten Übungsweg zu gestalten.

Das Prinzip wurde besonders durch T. Krishnamacharya geprägt. In seiner Lehre war keine Haltung isoliert zu verstehen: Jede Bewegung bereitete etwas vor oder glich etwas aus. Diese Denkweise floss später maßgeblich in den Viniyoga ein, wurde aber auch in anderen aus der Mysore-Tradition hervorgegangenen Schulen wirksam.

Im Unterschied zu festgelegten Serien betont Vinyāsa Krama Anpassungsfähigkeit. Die Abfolge richtet sich nach Ziel, Situation und Möglichkeiten der übenden Person.

Bedeutung für die Praxis

Für Yoga-Lehrende bedeutet Vinyāsa Krama, bewusst mit Übergängen, Intensitätsaufbau und Gegenbewegungen zu arbeiten. Die Qualität einer Praxis zeigt sich weniger in einzelnen Haltungen als in ihrer Gesamtwirkung.

Typische Merkmale einer vinyāsa-krama-orientierten Praxis sind:

  • schrittweiser Aufbau von Belastung
  • klare Vorbereitung auf intensivere Elemente
  • bewusster Ausgleich und Integration am Ende
  • enge Verbindung von Atem und Bewegung

Gerade in individuellen oder therapeutischen Kontexten ermöglicht Vinyāsa Krama eine sichere, nachvollziehbare und nachhaltige Praxis. Der Fokus liegt nicht auf äußerer Dynamik, sondern auf funktionaler Stimmigkeit.

Literatur

  • Desikachar 1995 – Beschreibt Vinyāsa Krama als zentrales Strukturprinzip persönlicher Praxis innerhalb der Krishnamacharya-Tradition.

  • Mohan & Mohan 2004 – Zeigt die praktische Anwendung von Vinyāsa Krama in therapeutischen und individuellen Kontexten.

  • Ramaswami 2005 – Explizite Ausarbeitung des Vinyāsa-Krama-Ansatzes aus direkter Schülerlinie Krishnamacharyas.

Verwandte Begriffe