Glossar

Sukha

Sukha beschreibt im Yoga ein Gefühl von Weite, Leichtigkeit und stimmiger Präsenz. Es meint nicht oberflächliches Wohlgefühl, sondern eine innere Qualität von Raum und Stabilität.

Definition

Sukha bezeichnet im Yoga eine Qualität von innerer Weite, Leichtigkeit und stimmiger Präsenz. Gemeint ist kein bloßes Wohlgefühl, sondern ein Zustand, in dem Haltung, Atem und Aufmerksamkeit in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Hintergrund

Der Sanskrit-Begriff sukha wird häufig mit „Freude", „Leichtigkeit" oder „Angenehmheit" übersetzt. In den Yoga Sūtras erscheint Sukha im bekannten Vers II.46: sthira-sukham āsanam. Dort beschreibt er eine Qualität von Stabilität und Mühelosigkeit in der Haltung.

Sukha steht dabei in Beziehung zu sthira (Stabilität). Beide Begriffe bilden ein Spannungsfeld: Praxis soll tragfähig und zugleich offen sein. Sukha meint nicht Bequemlichkeit, sondern einen Zustand, in dem Anstrengung nicht in Verhärtung umschlägt.

Auch in späteren Yogatraditionen wird Sukha als innere Weite verstanden, die sich über Atem, Ausrichtung und bewusste Dosierung entfaltet.

Bedeutung für die Praxis

Sukha ist ein wesentliches Kriterium für angemessene Praxis. Eine Übung kann technisch korrekt ausgeführt werden – fehlt jedoch Sukha, entsteht Enge oder Überforderung.

In der Krishnamacharya-Tradition und im Viniyoga gilt Sukha als Orientierungspunkt bei der Anpassung von Āsana, Atemführung und Intensität. Besonders in sensiblen Kontexten, etwa bei gesundheitlichen Belastungen, wird Praxis so gestaltet, dass sie Stabilität fördert, ohne Druck zu erzeugen.

Sukha zeigt sich nicht nur körperlich, sondern auch im Zustand des Geistes (citta): Gedanken werden weniger drängend, der Atem freier, die innere Haltung (bhāvana) offener.

Sukha ist damit kein Ziel im Sinne von Leistungssteigerung, sondern eine qualitative Rückmeldung darüber, ob Praxis im Moment stimmig ist.

Literatur

  • Patañjali (ca. 4.–5. Jh.). Yoga Sūtra. Relevanz: Primärquelle für den Begriff Sukha im Zusammenhang mit Āsana (YS II.46).

  • Bryant (2009). The Yoga Sūtras of Patañjali. North Point Press. Relevanz: Kommentiert die Beziehung zwischen sthira und sukha als dynamisches Gleichgewicht.

  • Desikachar (1995). The Heart of Yoga: Developing a Personal Practice. Inner Traditions. Relevanz: Praxisnahe Auslegung von Sukha als Maßstab für individuell angepasste Übung.

  • Mallinson & Singleton (2017). Roots of Yoga. Penguin Classics. Relevanz: Historische Kontextualisierung zentraler Yogabegriffe, einschließlich ihrer Entwicklung in späteren Traditionen.