Glossar

Sthira

Sthira beschreibt im Yoga eine Qualität von Stabilität, Standfestigkeit und innerer Ausrichtung. Es meint tragfähige Präsenz statt Verhärtung oder Starrheit.

Definition

Sthira bezeichnet im Yoga eine Qualität von Stabilität, Standfestigkeit und verlässlicher Ausrichtung. Gemeint ist keine starre Fixierung, sondern eine tragfähige Präsenz, die Halt gibt und zugleich Beweglichkeit ermöglicht.

Hintergrund

Der Sanskrit-Begriff sthira bedeutet „fest", „beständig" oder „stabil". In den Yoga Sūtras erscheint Sthira im bekannten Vers II.46: sthira-sukham āsanam. Dort beschreibt er eine Grundqualität der Haltung – Stabilität im Zusammenspiel mit Sukha (Leichtigkeit).

Sthira steht damit nicht isoliert, sondern bildet mit Sukha ein Spannungsfeld. Stabilität ohne Weite führt zu Verhärtung; Weite ohne Stabilität zu Instabilität. Klassische Kommentierungen (z. B. Bryant, 2009) betonen diese Balance als zentrales Merkmal reifer Praxis.

Auch in späteren Yogatraditionen wird Sthira als innere Festigkeit verstanden, die sich aus klarer Ausrichtung, angemessener Dosierung und bewusster Atemführung entwickelt.

Bedeutung für die Praxis

Sthira ist ein Orientierungspunkt für angemessene Übungsgestaltung. In Āsana zeigt es sich als Aufrichtung, Erdung und tragfähige Struktur. Im Atem als gleichmäßiger Rhythmus. Im Geist (citta) als verlässliche Aufmerksamkeit.

In der Krishnamacharya-Tradition und im Viniyoga wird Sthira nicht über äußere Form definiert, sondern über Wirkung. Eine Praxis gilt als stabilisierend, wenn sie innere Klarheit, Struktur und Selbstwirksamkeit fördert – ohne Druck oder Überforderung.

Gerade in sensiblen Kontexten, etwa bei gesundheitlichen Belastungen, kann Sthira als Ressource verstanden werden: als Gefühl von Halt im eigenen Körper und als verlässliche Struktur im Alltag. In Verbindung mit Sukha entsteht so eine Praxis, die sowohl tragfähig als auch lebensnah ist.

Literatur

  • Patañjali (ca. 4.–5. Jh.). Yoga Sūtra. Relevanz: Primärquelle für den Begriff Sthira im Zusammenhang mit Āsana (YS II.46).

  • Bryant (2009). The Yoga Sūtras of Patañjali. North Point Press. Relevanz: Kommentiert das Zusammenspiel von Sthira und Sukha als Balanceprinzip yogischer Praxis.

  • Desikachar (1995). The Heart of Yoga: Developing a Personal Practice. Inner Traditions. Relevanz: Praxisnahe Einordnung von Stabilität als Wirkung individuell angepasster Übung.

  • Feuerstein (2001). The Yoga Tradition. Hohm Press. Relevanz: Historische Kontextualisierung zentraler Yogabegriffe innerhalb klassischer Quellen.