Definition
Samādhi Pāda ist das erste Kapitel der Yoga Sūtras des Patañjali. Es beschreibt Ziel, Wesen und Grundverständnis von Yoga und führt zentrale Begriffe ein, die den gesamten Yogaweg strukturieren.
Hintergrund
Der Samādhi Pāda umfasst 51 Sūtras und stellt den philosophischen Rahmen des gesamten Textes dar. Gleich zu Beginn formuliert Patañjali die berühmte Definition von Yoga:
Yogaḥ citta-vṛtti-nirodhaḥ (YS I.2) – Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Bewegungen des Geistes.
Dieses Kapitel fragt weniger nach konkreter Praxis als nach dem Ziel und Zustand, auf den Yoga ausgerichtet ist. Patañjali beschreibt verschiedene Formen geistiger Sammlung (samādhi), Hindernisse (antarāya), förderliche Haltungen sowie die grundlegenden Prinzipien von Übung (abhyāsa) und Loslösung (vairāgya).
Samādhi Pāda legt damit die begriffliche und philosophische Basis für alle folgenden Kapitel.
Bedeutung für die Praxis
Obwohl Samādhi Pāda häufig als theoretisch wahrgenommen wird, hat das Kapitel eine hohe praktische Relevanz. Es klärt, warum Yoga geübt wird und woran sich Praxis orientieren sollte.
Für moderne Yogatraditionen – insbesondere innerhalb der Krishnamacharya-Linie – dient Samādhi Pāda als Referenz, um Yoga nicht auf Technik oder Leistung zu reduzieren. Die im ersten Kapitel beschriebenen Qualitäten von Geist, Aufmerksamkeit und Klarheit bilden den Maßstab für jede Praxisform.
Begriffe wie abhyāsa (kontinuierliche Übung) und vairāgya (Nicht-Anhaften) zeigen, dass Yoga sowohl Engagement als auch innere Gelassenheit erfordert. Samādhi erscheint dabei nicht als spektakuläres Ziel, sondern als Ausdruck eines geklärten, ruhigen Geistes.
Literatur
- Desikachar 1995 – Praxisnahe Interpretation zentraler Begriffe aus dem Samādhi Pāda.
- Bryant 2009 – Ausführliche Kommentierung des Samādhi Pāda mit Fokus auf Abhyāsa, Vairāgya und Samādhi.