Definition
Samādhi bezeichnet im Yoga einen Zustand tiefer Sammlung, in dem die Unterscheidung zwischen Wahrnehmendem, Wahrgenommenem und dem Akt des Wahrnehmens zurücktritt. Es ist das achte Glied des achtgliedrigen Yogawegs (Aṣṭāṅga Yoga) nach Patañjali.
Hintergrund
Der Begriff samādhi setzt sich aus sam („zusammen", „vollständig") und ā-dhā („legen", „setzen") zusammen und verweist auf ein vollständiges „Zusammenkommen" der Aufmerksamkeit. In den Yoga Sūtras des Patañjali wird Samādhi nicht als einheitlicher Endzustand beschrieben, sondern differenziert dargestellt.
Patañjali unterscheidet unter anderem zwischen:
- Saṃprajñāta Samādhi – Sammlung mit einem erkennbaren Objekt
- Asaṃprajñāta Samādhi – Sammlung ohne objektbezogene Wahrnehmung
Diese Differenzierung macht deutlich, dass Samādhi kein statischer Zustand ist, sondern eine Bandbreite meditativer Klarheit beschreibt. Entscheidend ist nicht außergewöhnliche Erfahrung, sondern die Abnahme geistiger Unruhe und Verzerrung.
Bedeutung für die Praxis
In der Praxis moderner Yogatraditionen wird Samādhi häufig missverstanden – entweder als spektakuläres Ziel oder als dauerhaft erreichter Zustand. Aus klassischer Sicht ist Samādhi jedoch das Resultat geeigneter Bedingungen, nicht das Ergebnis von Willensanstrengung.
In der Krishnamacharya-Tradition wird Samādhi daher zurückhaltend und pragmatisch interpretiert: als Momente oder Phasen tiefer Klarheit, in denen Wahrnehmung unverstellt und Geist ruhig ist. Diese Qualität kann im Alltag ebenso relevant sein wie in formaler Meditationspraxis.
Samādhi markiert nicht das Ende des Yogawegs, sondern beschreibt einen Zustand, aus dem Einsicht, Unterscheidungsvermögen (viveka) und verantwortungsvolles Handeln entstehen können.
Literatur
- Desikachar 1995 – Erdige, praxisnahe Einordnung von Samādhi ohne Mystifizierung oder Absolutheitsanspruch.
- Bryant 2009 – Präzise Kommentierung der verschiedenen Formen von Samādhi und ihrer Bedeutung.
- Feuerstein 2001 – Historische und systematische Einordnung von Samādhi im Yoga- und Meditationskontext.