Definition
Niyama bezeichnet im Yoga die innere Ausrichtung des Menschen im Umgang mit sich selbst. Es ist das zweite Glied des achtgliedrigen Yogawegs (Aṣṭāṅga Yoga) nach Patañjali und beschreibt Formen von Selbstdisziplin, Reflexion und innerer Haltung.
Hintergrund
Der Begriff niyama lässt sich mit „persönliche Beobachtung", „Selbstregulation" oder „innere Ordnung" übersetzen. In den Yoga Sūtras des Patañjali (Sūtra II.32) werden fünf Niyamas benannt:
- Śauca – innere und äußere Klarheit
- Santoṣa – Zufriedenheit
- Tapas – engagierte Übung, innere Disziplin
- Svādhyāya – Selbststudium und Reflexion
- Īśvara-praṇidhāna – Ausrichtung auf etwas Größeres
Im Unterschied zu Yama, das den Umgang mit anderen betrifft, richtet sich Niyama nach innen. Es beschreibt Bedingungen, unter denen persönliche Entwicklung und geistige Sammlung möglich werden.
Bedeutung für die Praxis
Niyama bildet die innere Grundlage für alle weiteren Aspekte des Yogawegs. Ohne Selbstbeobachtung, Verlässlichkeit und Reflexion bleiben Asana, Prāṇāyāma oder Meditation fragmentarisch.
In modernen Yogatraditionen – insbesondere innerhalb der Krishnamacharya-Linie – wird Niyama nicht als moralischer Katalog verstanden, sondern als Orientierungsrahmen für persönliche Praxis. Die fünf Niyamas können je nach Lebensphase, Ziel oder Situation unterschiedlich gewichtet werden.
Für Yoga-Lehrende spielt Niyama auch in der Gestaltung von Unterricht, Ausbildung und eigener Praxis eine Rolle: etwa im Umgang mit Leistungsansprüchen, Selbstfürsorge, Lernprozessen und Verantwortung gegenüber der eigenen Rolle.
Literatur
- Desikachar 1995 – Praxisnahe Übertragung von Niyama als innere Haltung und persönlicher Entwicklungsprozess.
- Bryant 2009 – Differenzierte Kommentierung der Niyamas mit philosophischem und historischem Kontext.
- Feuerstein 2001 – Ordnet Niyama in die Entwicklung yogischer Ethik und Praxis ein.