Definition
Ahimsa bezeichnet im Yoga das Prinzip der Gewaltlosigkeit und des achtsamen Umgangs – sowohl gegenüber anderen als auch sich selbst gegenüber. Es gilt als ethische Grundlage des Yogawegs.
Hintergrund
Der Sanskrit-Begriff ahiṃsā setzt sich aus a- (nicht) und hiṃsā (Verletzung, Schaden) zusammen und bedeutet wörtlich „Nicht-Verletzen". In den Yoga Sūtras des Patañjali wird Ahimsa als erstes der fünf Yamas genannt (YS II.30) und damit als grundlegendes ethisches Prinzip eingeführt.
Historisch ist Ahimsa auch in anderen indischen Traditionen von Bedeutung, etwa im Jainismus und Buddhismus. Im Yoga-Kontext bezieht sich Ahimsa nicht nur auf äußeres Verhalten, sondern auch auf innere Haltung, Sprache und Selbstbeziehung.
Kommentierungen der Yoga Sūtras (z. B. Bryant, 2009) weisen darauf hin, dass Ahimsa als Basis aller weiteren ethischen und praktischen Schritte verstanden werden kann.
Bedeutung für die Praxis
Ahimsa hat unmittelbare Relevanz für die Gestaltung von Praxis. Eine Übung kann technisch korrekt erscheinen – ist sie jedoch von Druck, Selbstabwertung oder Überforderung geprägt, widerspricht sie dem Prinzip der Gewaltlosigkeit.
In der Krishnamacharya-Tradition und im Viniyoga zeigt sich Ahimsa in der individuellen Anpassung von Intensität, Umfang und Zielsetzung. Praxis wird so gestaltet, dass sie unterstützt, nicht überfordert.
Besonders im therapeutischen Kontext, etwa bei gesundheitlichen Belastungen, gewinnt Ahimsa eine zusätzliche Dimension. Hier bedeutet Gewaltlosigkeit:
- klare Abgrenzung zu medizinischer Behandlung,
- Verzicht auf Leistungsdruck,
- achtsame Dosierung,
- respektvolle Begleitung individueller Grenzen.
Ahimsa ist damit nicht nur moralisches Ideal, sondern ein praktisches Kriterium für verantwortungsvolle Yogapraxis.
Literatur
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Patañjali (ca. 4.–5. Jh.). Yoga Sūtra. Relevanz: Primärquelle für Ahimsa als erstes Yama (YS II.30).
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Bryant (2009). The Yoga Sūtras of Patañjali. North Point Press. Relevanz: Kommentiert Ahimsa als ethische Grundlage des Yogawegs.
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Feuerstein (2003). The Deeper Dimension of Yoga. Shambhala. Relevanz: Ordnet Ahimsa philosophisch und historisch in den indischen Kontext ein.
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Desikachar (1995). The Heart of Yoga: Developing a Personal Practice. Inner Traditions. Relevanz: Verdeutlicht die praktische Umsetzung von Ahimsa in individueller Praxisgestaltung.